König Fußball: mehr als nur eine Religion
Nach der nun vollbrachten Fußball Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika dürfen wir mit den spanischen Heroen das achte Team im Fußball-Olymp als neue Götter preisen. Der Wahnsinn um die runde Pille rief neue Superlative en masse hervor, wobei es kaum kritische Stimmen gab, die den allgegenwärtigen fußballerischen Fanatismus auch einmal in Frage stellten.
Ähnlich schon wie kurz zuvor mit dem grandiosen Sieg “der Landrut”, scheint die Nation nach neuen Events zu gieren, um hocheuphorisierte Bäder zu nehmen und auf den Wellen ungetrübten Glücks zu schwimmen. Und die höchsten Medienanstalten gehen mit dem Strom. Dafür werden sie eigentlich auch dafür monatlich entlohnt, Dinge zu hinterfragen und nicht nur willenlos Bericht zu erstatten.
Doch möglicherweise ist es auch einfach total unangebracht, ein kritisches Wort zu erheben, muss man doch froh sein, dass sich “die Deutschen” endlich wieder ein wenig aus der nationalen Schockstarre lösen und Flagge zeigen konnten. Ist doch schön, wenn man mal wieder nationalen Gefühlen freien Lauf lassen,sich einfach nur freuen und endlich das kollektive Hirn einfach ausschalten kann.
Darüber, dass zweimal elf mehr oder minder erwachsene Männer (samt Anhang auf der Bank) so geübt einem runden Ball hinterherlaufen können, diesen gekonnt mit Füßen traktieren und dadurch eine ganze Nation in Begeisterung versetzen. Darüber, dass das auch noch ahnsehnlich, noch nie dagewesen ist. Darüber, dass es sich dabei um mehr oder minder erwachsene Männer handelt, die teilweise aus völlig verschiedenen Kulturkreisen stammen, und bei denen der Familienname nur noch mit viel Phantasie mit etwas Deutschem in Verbindung gebracht werden könnte.
Einverstanden. Doch dass König Fußball in den letzten paar Jahren auch zu einem milliardenschweren Geschäft geworden ist, das lange schon politische Dimensionen angenommen hat, sollte einem vielleicht doch ab und an zu denken geben. Dass es mittlerweile Transfersummen im dreistelligen Millionenbereich gibt, steht paradigmatisch für viele aus den Fugen geratene Dinge. Irgendwie ist auch hier die Verhältnismäßigkeit verloren gegangen.
Wenn ein FC Bayern mal nicht Deutscher Fußballmeister wird, dann steckt der Verein / die AG schon in einer mittelschweren Krise – was das aber eigentlich für ein Anspruchsdenken ist, jedes Jahr “ganz oben” sein zu wollen, scheint einfach so hingenommen zu werden. Vereine wie Real Madrid setzen mehrere hundert Millionen Euro im Jahr um und mischen übrigens auch ganz ansehnlich in der Finanzindustrie mit:
Wer den großartigen Film “Let`s make money” schon einmal sehen durfte, der weiß, dass die spanische Finanzindustrie maßgeblich dazu beiträgt, dass die Küsten Spaniens mehr als nur verschandelt werden und dabei wertvolle und überlebenswichtige Ressourcen wie Trinkwasser für Golfplätze verschwendet werden, die kein Mensch der Welt braucht.
“König Fußball” ist schon lange mehr als eine Ersatz-Religion: er ist Teil einer riesigen Finanzindustrie, die auch dafür sorgt, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft. Bald beginnt die neue Bundesliga-Saison, und es werden wahrscheinlich wieder viele Zuschauerrekorde gebrochen und neue Umsatzrekorde erzielt. Zeit, die Religion zu wechseln.